Turn-Grundlagen: Deine ersten Richtungswechsel

Surfen Lernen / Surf-Manöver

Turn-Grundlagen: Deine ersten Richtungswechsel

Beginner 9 Min. Lesezeit

Key Takeaways

  • Alle Surfboard-Turns funktionieren nach demselben Prinzip: Kippst du das Board auf sein Rail (die Kante), indem du dein Gewicht verlagerst, fährt es einen Bogen in diese Richtung
  • Dein Oberkörper führt jeden Turn — wohin dein Kopf und deine Schultern zeigen, dorthin folgt das Board
  • Toe-Side-Druck dreht dich Richtung Welle (Frontside); Heel-Side-Druck dreht dich von der Welle weg
  • Beginne mit weiten, sanften Turns im Weißwasser, bevor du schärfere Richtungswechsel auf grünen Wellen versuchst
  • Dein hinterer Fuß ist der zentrale Drehpunkt für Turns; dein vorderer Fuß steuert Speed und Nose-Richtung

Geradeaus auf dem Surfboard zu fahren macht bei den ersten Wellen richtig Spaß. Aber die wahre Magie des Surfens — der Flow, die Geschwindigkeit, die Verbindung mit der Welle — beginnt erst, wenn du lernst, die Richtung zu wechseln. Turns sind es, die dich vom passiven Passagier, der an den Strand geschoben wird, zum aktiven Surfer machen, der die Energie der Welle wirklich reitet.

Bei Rapture Surfcamps führen wir die Grundlagen des Turns bei Anfängern ein, die bereits stabil im Weißwasser in einer sicheren Stance stehen können. Wenn du auf dem Board stehst und bis zum Strand fahren kannst, ohne zu fallen, bist du bereit fürs Lenken.

So funktioniert das Lenken beim Surfen

Surfboards lenken nach demselben Prinzip wie Boote, Ski und Snowboards: über die Kante. Wenn du das Board so kippst, dass eine Kante — beim Surfen Rail genannt — stärker ins Wasser drückt als die andere, fährt das Board einen Bogen in Richtung des eingesetzten Rails.

Stell dir das so vor:

  • Board flach auf dem Wasser: Fährt geradeaus.
  • Board auf das rechte Rail gekippt: Fährt einen Bogen nach rechts.
  • Board auf das linke Rail gekippt: Fährt einen Bogen nach links.

Wie stark du kippst, bestimmt, wie eng der Turn wird. Leichtes Kippen erzeugt einen sanften, weiten Bogen. Starkes Kippen erzeugt einen scharfen, abrupten Richtungswechsel.

Toe-Side vs. Heel-Side

Welches Rail greift, steuerst du über den Druck auf verschiedene Teile deiner Füße:

  • Toe-Side-Druck (Druck über die Fußballen) kippt das Board in Richtung deines Toe-Side-Rails. Für Regular-Surfer bedeutet das eine Linkskurve. Für Goofy-Surfer eine Rechtskurve.
  • Heel-Side-Druck (Druck über die Fersen) kippt das Board in Richtung deines Heel-Side-Rails. Regular-Surfer fahren nach rechts, Goofy-Surfer nach links.

In der Praxis heißt das:

  • Frontside (du schaust zur Welle): Du nutzt Toe-Side-Druck, um Richtung Welle zu turnen.
  • Backside (dein Rücken zeigt zur Welle): Du nutzt Heel-Side-Druck, um Richtung Welle zu turnen.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob du Regular oder Goofy surfst, schau dir nochmal unsere Grundlagen zur Stance an.

Die drei Elemente jedes Turns

Jeder Turn beim Surfen — vom ersten sanften Richtungswechsel bis zum explosiven Snap eines Profis — basiert auf denselben drei Elementen:

1. Oberkörper-Rotation

Dein Kopf dreht sich zuerst, dann folgen die Schultern, dann die Hüften. Das Board folgt deinem Unterkörper, der Unterkörper folgt dem Oberkörper, und der Oberkörper folgt deinen Augen. Diese Kettenreaktion ist der Motor jedes Turns.

2. Gewichtsverlagerung

Durch die Verlagerung deines Gewichts bringst du das Rail zum Greifen. Beim Turnen gibt es zwei entscheidende Gewichtsverlagerungen: seitlich zwischen Zehen und Fersen (laterale Verlagerung) und längs zwischen vorderem und hinterem Fuß (longitudinale Verlagerung).

  • Seitliche Verlagerung (Zehen vs. Fersen) bestimmt, welches Rail greift — und damit die Richtung deines Turns.
  • Längsverlagerung (vorderer vs. hinterer Fuß) bestimmt, wie sich der Turn anfühlt. Mehr Gewicht auf dem hinteren Fuß erzeugt einen engeren Pivot-Turn; mehr Gewicht auf dem vorderen Fuß sorgt für einen längeren, fließenden Bogen.

3. Rail-Einsatz

Der Rail-Einsatz ist das Ergebnis deiner Gewichtsverlagerung. Das belastete Rail schneidet ins Wasser und erzeugt eine Kurvenlinie. Je tiefer der Einsatz, desto schärfer der Turn.

Deine ersten Schritte beim Turnen

1

Geradeaus fahren in stabiler Stance

Fange eine Weißwasser-Welle und fahre 2–3 Sekunden in deiner normalen Stance geradeaus, um dein Gleichgewicht zu stabilisieren.

2

In die gewünschte Richtung schauen

Drehe deinen Kopf in die Richtung, in die du fahren willst. Halte den Blick dort — nicht kurz hinschauen und wieder weggucken.

3

Vordere Schulter mitdrehen

Lass deine vordere Schulter deiner Kopfdrehung folgen. Diese Rotation startet die Kettenreaktion durch deinen gesamten Körper.

4

Über Zehen oder Fersen drücken

Drücke sanft über die Fußballen (für einen Toe-Side-Turn) oder über die Fersen (für einen Heel-Side-Turn).

5

Den Bogen spüren

Das Board beginnt, die Richtung zu wechseln. Halte den Druck gleichmäßig und lass den Bogen vollständig laufen.

6

Gewicht zentrieren und geradeaus fahren

Um den Turn zu beenden, verteile den Druck gleichmäßig auf beide Füße und richte das Board in die neue Richtung aus.

Turns im Weißwasser üben

Beginne mit dem Üben von Turns im Weißwasser, nicht auf grünen Wellen. Das Weißwasser bietet eine stabile, fehlerverzeihende Plattform mit gleichmäßigem Schub.

Fange eine Weißwasser-Welle und fahre sie stehend. Nach 2–3 Sekunden Geradeausfahrt:

  1. Schau nach links und drücke über die entsprechende Kante (Zehen für Regular, Fersen für Goofy).
  2. Halte den Druck 2–3 Sekunden. Spüre, wie das Board einen Bogen fährt.
  3. Löse den Druck und fahre geradeaus weiter.
  4. Bei der nächsten Welle drehst du nach rechts — mit dem entgegengesetzten Druck.

Wechsle über mehrere Wellen hinweg zwischen links und rechts ab, bis sich beide Richtungen kontrollierbar anfühlen.

Die Rolle des hinteren Fußes

Dein hinterer Fuß ist das Lenkrad des Surfboards. Er steht über oder nahe den Finnen — dem eigentlichen Lenkmechanismus. Wenn du Druck über den hinteren Fuß aufbaust und ein Rail einsetzt, greifen die Finnen ins Wasser und erzeugen den Bogen.

Dein vorderer Fuß kontrolliert die Nose — wohin sie zeigt und wie stark sie sich hebt oder senkt. Zusammen arbeiten beide Füße als Team: Der hintere Fuß dreht, der vordere Fuß führt.

Für schärfere Turns verlagerst du mehr Gewicht auf den hinteren Fuß — bis zu 70/30 hinten zu vorne. Für sanftere, fließende Turns bleibt das Gewicht gleichmäßiger verteilt — 55/45 oder sogar 50/50.

Frontside und Backside

Jede Welle, die du reitest, surfst du entweder Frontside (du schaust zur Welle) oder Backside (dein Rücken zeigt zur Welle). Die Mechanik des Turns bleibt gleich, aber das Gefühl ist unterschiedlich:

  • Frontside-Turns fühlen sich natürlich an, weil du die Welle sehen kannst und die Rotation deines Körpers mit deinem Blickfeld übereinstimmt.
  • Backside-Turns fühlen sich anfangs ungewohnt an, weil du über die Schulter schauen musst und die Rotation gegen deine natürliche Blickrichtung nach vorne arbeitet.

Übe von Anfang an beide Seiten gleich viel. Viele Surfer vernachlässigen ihre Backside und entwickeln eine deutliche Schwäche, die sie später einschränkt.

Typische Anfängerfehler beim Turnen

Fehler beim Turnen

Mistake

Mit den Armen statt mit dem Körper turnen wollen

Correction

Deine Arme begleiten den Turn — sie erzeugen ihn nicht. Drehe aus Kopf und Schultern heraus, nicht durch Schwingen der Arme.

Mistake

Auf die Nose des Boards schauen statt in die gewünschte Richtung

Correction

Dein Blick führt alles. Schau dorthin, wo du in zwei Sekunden sein willst — nicht auf die Stelle, an der dein Board gerade ist.

Mistake

Zu aufrecht stehen mit steifen Beinen

Correction

Geh in die Knie, um deinen Schwerpunkt zu senken. Turns erfordern Balance, und eine tiefe Position ist deutlich stabiler.

Mistake

Nur eine Seite üben — immer in dieselbe Richtung turnen

Correction

Wechsle in jeder Session zwischen links und rechts ab. Ausgewogenes Turnen in beide Richtungen ist essenziell, um Wellen surfen zu können, die in beide Richtungen brechen.

Übungen zum Trainieren

Weißwasser-Slalom

20 Minuten

Trainiert sanfte Links-Rechts-Richtungswechsel auf Weißwasser-Wellen.

Equipment

Dein Surfboard
  1. 1 Fange eine Weißwasser-Welle und fahre sie stehend.
  2. 2 Nach 2 Sekunden drehst du sanft nach links.
  3. 3 Halte den Turn 2 Sekunden, dann drehe sanft nach rechts.
  4. 4 Wechsle zwischen links und rechts ab und erzeuge ein sanftes Slalom-Muster auf dem Weg zum Strand.
  5. 5 Zähle, wie viele Richtungswechsel du pro Welle schaffst. Ziel: 3–4 Stück.

Turn-Simulation an Land

10 Minuten

Trainiert die Oberkörper-Rotation, ohne dass du dafür ins Wasser musst.

Equipment

Flacher Boden, Balance Board oder Yogamatte
  1. 1 Stell dich in deiner Surf-Stance auf den Boden.
  2. 2 Drehe deinen Kopf nach links und lass Schultern und Hüften folgen.
  3. 3 Drücke über die Fußballen, als würdest du das Toe-Side-Rail belasten.
  4. 4 Halte 2 Sekunden, dann zurück in die Mitte.
  5. 5 Wiederhole das Ganze nach rechts mit Fersendruck.
  6. 6 Mach 20 Wiederholungen pro Seite und steigere dabei Tempo und Intensität jeder Rotation.

Von den Grundlagen zu echten Turns

Sobald du Richtungswechsel im Weißwasser kontrollieren kannst, geht die Entwicklung weiter:

  1. Sanfte Turns auf kleinen grünen Wellen — wende dieselben Prinzipien auf ungebrochenen Wellenwänden an.
  2. Trimmen und Down-the-Line-Surfen — eine konstante Richtung über die Wellenwand halten.
  3. Bottom Turns — der erste kraftvolle, bewusste Richtungswechsel.
  4. Turns für Fortgeschrittene — mehr Power, Speed und Präzision in deinen Turns.

Jede Stufe baut auf den drei Elementen auf, die du hier lernst: Oberkörper-Rotation, Gewichtsverlagerung und Rail-Einsatz. Die Grundlagen ändern sich nie — sie werden nur verfeinert und verstärkt.

Eine gute Balance während der Turns ist entscheidend. Wenn deine Balance-Grundlagen nicht sitzen, wird sich jeder Turn instabil anfühlen. Geh so oft wie nötig zurück zu den Basics.

Abschließende Gedanken

Turns sind das Tor zum echten Surfen. Die Prinzipien sind einfach — schau dorthin, wo du hin willst, verlagere dein Gewicht und lass das Rail die Arbeit machen. Wenn du diese Grundlagen im Weißwasser meisterst, bevor du auf grüne Wellen gehst, baust du ein Fundament, auf dem jedes zukünftige Manöver aufbaut. Hab Geduld mit dem Prozess und übe beide Seiten gleich viel.

Warum die Fußposition für Turns so wichtig ist

Deine Fußposition auf dem Board beeinflusst direkt, wie sich deine Turns anfühlen. Der hintere Fuß sollte über oder knapp vor den Finnen stehen — das ist der Drehpunkt des Boards. Steht dein hinterer Fuß zu weit vorne (ein typischer Anfängerfehler), wehrt sich das Board gegen den Turn, weil du die Finnen nicht aktivierst. Achte bei deinem Pop-up bewusst darauf, den hinteren Fuß nah am Tail zu platzieren.

Dein vorderer Fuß sollte ungefähr mittig über dem Stringer stehen, die Zehen leicht Richtung Nose angewinkelt — etwa 30 Grad. Diese Position erlaubt es dir, sowohl Toe-Side- als auch Heel-Side-Druck auszuüben, ohne die Füße mitten im Turn umzusetzen.

Übe die korrekte Fußposition vor jeder Session am Strand. Das Muskelgedächtnis, das du an Land aufbaust, überträgt sich direkt auf deine Turns im Wasser.

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