Key Takeaways
- ✓ Zuerst einen harten Base Coat mit festem Druck und kleinen kreisenden Bewegungen auftragen, bis eine noppige Struktur entsteht
- ✓ Danach einen weicheren Top Coat passend zur Wassertemperatur mit leichterem Druck über dem Base Coat auftragen
- ✓ Die Bereiche wachsen, an denen dein Körper und deine Füße das Board berühren — Brust- und Bauchbereich zum Paddeln und die Stehzone zum Surfen
- ✓ Vor jeder Session frischen Top Coat nachlegen; alle vier bis sechs Wochen komplett abziehen und neu wachsen
- ✓ Einen Wachskamm verwenden, um die Oberfläche zwischen den Sessions aufzurauen — für schnellen Grip-Aufbau
Surfwachs ist das einfachste und zugleich wichtigste Zubehör nach dem Board selbst. Ohne Wachs rutschen deine Füße vom Deck, sobald du den Pop-up machst, deine Brust gleitet beim Paddeln weg, und dein Board wird zu einer unbrauchbaren, glatten Fiberglasplatte. Mit einem sauber gewachsten Board hast du den Grip und die Traktion, um selbstbewusst zu paddeln, deinen Pop-up sauber auszuführen und deine Stance durch Turns und Manöver hindurch stabil zu halten.
Ein Surfboard zu wachsen ist keine Raketenwissenschaft — aber es richtig zu machen, macht einen spürbaren Unterschied darin, wie sich dein Board unter den Füßen anfühlt. Eine hastig aufgetragene Wachsschicht gibt dir nur fleckigen Grip, der schnell nachlässt. Ein sauber aufgetragener Base Coat und Top Coat dagegen sorgen für gleichmäßige, langlebige Traktion, die über mehrere Sessions hält.
In dieser Lektion zeigen wir dir den kompletten Wachsprozess von Anfang bis Ende.
Surfwachs-Typen verstehen
Surfwachs gibt es in verschiedenen Formulierungen, die für unterschiedliche Wassertemperaturen optimiert sind. Das falsche Temperaturwachs zu benutzen, ist einer der häufigsten Fehler unter Surfern.
Temperatur-Kategorien
- Kaltwasser (unter 15 °C / 59 °F): Das weichste Wachs. Bleibt auch in kaltem Wasser klebrig. In warmem Wasser schmilzt es zu einer glitschigen Masse.
- Kühles Wasser (15–20 °C / 59–68 °F): Etwas fester. Ideal für Frühling und Herbst in gemäßigten Regionen.
- Warmwasser (20–25 °C / 68–77 °F): Fest genug, um bei wärmeren Bedingungen nicht zu schmelzen, und trotzdem griffig.
- Tropisch (über 25 °C / 77 °F): Die härteste Formulierung. Entwickelt, um auch bei heißem Wasser und direkter Sonneneinstrahlung seine Struktur zu behalten, ohne zu verflüssigen.
Kaltwasserwachs unter tropischen Bedingungen ergibt eine geschmolzene, rutschige Oberfläche. Tropisches Wachs in kaltem Wasser bleibt hart und nicht klebrig — praktisch ohne Grip. Wähle dein Wachs immer passend zur Wassertemperatur deiner Session.
Base Coat Wachs
Base Coat Wachs ist eine härtere Formulierung, die eine hügelige Grundschicht auf dem Board erzeugt. Es wird als Erstes aufgetragen und bildet die Struktur, an der der Top Coat haftet. Viele Surfer lassen den Base Coat weg — ein Fehler. Ohne ihn löst sich der Top Coat schnell ab und der Grip ist ungleichmäßig.
Base Coat Wachs ist auf der Verpackung als „Basecoat" gekennzeichnet und wird unabhängig von der Wassertemperatur verwendet.
Ein neues Board für das Wachsen vorbereiten
Wenn dein Board brandneu ist (oder gerade vom alten Wachs befreit wurde), ist die Deckoberfläche glatt. Wachs braucht Struktur, um richtig zu haften.
Oberfläche reinigen
Stelle sicher, dass das Deck sauber, trocken und frei von Staub oder Rückständen ist. Wenn du ein Board neu wachst, von dem altes Wachs entfernt wurde, sollten alle Wachsreste mit einem Wachsentferner oder etwas Kokosöl auf einem Tuch abgewischt und anschließend trocken gerieben werden.
Im Schatten arbeiten
Wachs lässt sich besser auftragen, wenn sowohl das Board als auch das Wachs kühl sind. Direkte Sonne erhitzt das Deck und sorgt dafür, dass das Wachs verschmiert, statt Noppen zu bilden. Such dir einen schattigen Platz — unter einem Baum, hinter dem Auto oder in einer Garage.
Den Base Coat auftragen
Der Base Coat ist das Fundament deiner Wachsschicht. Er kostet dich ein paar Minuten Aufwand, sorgt aber dafür, dass der Top Coat deutlich länger hält.
Technik
- Benutze die Kante des Wachsblocks, nicht die flache Seite. Die Ecke oder Kante erzeugt konzentrierteren Druck, was die Bildung von Noppen unterstützt.
- Trage das Wachs mit festem Druck in kleinen kreisenden Bewegungen auf. Arbeite in Bereichen, die ungefähr so groß sind wie deine Handfläche. Drücke fest genug, dass sichtbare Spuren entstehen — nicht nur ein dünner Wachsfilm auf der Oberfläche.
- Erzeuge ein Muster aus kleinen Noppen. Das Ziel ist eine strukturierte Oberfläche aus kleinen Erhebungen oder Rillen über die gesamte Fläche. Diese Noppen sind es, an denen sich deine Füße und dein Körper festhalten. Wenn die Oberfläche glatt und glänzend aussieht, drückst du nicht fest genug oder deine Striche sind zu breit.
- Die gesamte Kontaktfläche abdecken. Bei Shortboards und Mid-Lengths wachst du das gesamte obere Drittel des Boards (wo Brust und Bauch beim Paddeln aufliegen) und den Bereich von der Mitte bis zum Tail (wo deine Füße beim Stehen stehen). Bei Longboards wachst du das gesamte Deck, da du beim Reiten möglicherweise auf dem Board vor- und zurückläufst.
Typische Base-Coat-Fehler
- Nicht fest genug drücken. Der Base Coat erfordert echten Krafteinsatz. Leichtes Reiben erzeugt nur eine dünne Schicht ohne Struktur.
- Die flache Seite des Blocks benutzen. So verteilt sich das Wachs zu dünn. Nimm die Kante oder Ecke.
- Zu schnell arbeiten. Ein guter Base Coat braucht drei bis fünf Minuten. Nimm dir die Zeit.
Den Top Coat auftragen
Der Top Coat ist das Wachs, das du regelmäßig nachlegst. Er sitzt auf dem Base Coat und bildet die klebrige, griffige Oberfläche, die du unter deinen Füßen spürst.
Technik
- Wähle das richtige Temperaturwachs passend zu deinen Wasserbedingungen.
- Trage es mit leichterem Druck auf als beim Base Coat. Die Noppen sind durch den Base Coat bereits vorhanden — der Top Coat füllt sie auf und verstärkt sie.
- Verwende kreisende oder diagonale Überkreuz-Striche. Manche Surfer bevorzugen kleine Kreise, andere diagonale Linien, die sich überkreuzen. Beides funktioniert. Entscheidend ist eine gleichmäßige Abdeckung.
- Auftragen, bis die Oberfläche klebrig ist. Fahre mit den Fingern über die gewachste Fläche. Sie sollte sich klebrig und griffig anfühlen. Wenn sie glatt oder wachsig-rutschig wirkt, trage mehr auf.
Wie viel Wachs ist genug?
Eine häufige Frage mit einer einfachen Antwort: genug, damit deine Füße nicht wegrutschen, wenn du dein Gewicht verlagerst. Wenn du in deiner Surf-Stance auf dem Board stehen kannst (auf ebenem Boden) und deine Zehen fest reindrückst, ohne abzurutschen, reicht das Wachs aus.
Mehr ist nicht immer besser. Übermäßig dickes Wachs erhöht das Gewicht und kann sogar rutschig werden, wenn sich statt strukturierter Noppen glatte Wülste bilden. Eine gleichmäßige Schicht mit guter Textur ist ideal.
Wachs zwischen den Sessions pflegen
Vor jeder Session
Raue die vorhandene Wachsoberfläche mit einem Wachskamm auf. Die meisten Wachskämme haben eine gezahnte Kante — fahre damit in einem Kreuzmuster über das Wachs, um die noppige Struktur wiederherzustellen. Dann trage eine dünne Schicht frischen Top Coat auf. Das dauert weniger als eine Minute und macht einen deutlichen Unterschied beim Grip.
Nach jeder Session
Spüle dein Board mit Süßwasser ab, um Salz zu entfernen, und lagere es im Schatten oder in einer Boardbag. Hitze ist der Feind des Wachses — ein Board, das in der prallen Sonne liegen bleibt, bekommt geschmolzenes, flaches Wachs ohne jede Struktur.
Wenn du dein Board auf einem Dachgepäckträger transportierst, nutze eine reflektierende Boardbag oder lege ein Handtuch über das Deck. Selbst eine kurze Fahrt in der prallen Sonne kann deine Wachsschicht ruinieren.
Wann komplett abziehen und neu wachsen
Mit der Zeit sammeln sich im Wachs Schmutz, Sand und alte Schichten an, die hart und glasig werden. Dieses aufgebaute Wachs wird tatsächlich rutschig statt griffig.
Anzeichen, dass du neu wachsen solltest
- Die Wachsoberfläche sieht dunkel, schmutzig oder verfärbt aus
- Die Struktur fühlt sich trotz Kämmen glatt oder hart an
- Deine Füße rutschen beim Surfen, obwohl du frischen Top Coat aufgetragen hast
- Es sind mehr als vier bis sechs Wochen seit deinem letzten kompletten Neuwachsen vergangen
Wachs entfernen — so geht's
- Lege das Board fünf bis zehn Minuten in die Sonne (oder benutze einen Föhn auf niedriger Stufe), um das Wachs aufzuweichen.
- Benutze einen Wachskamm-Schaber (die flache Kante der meisten Wachskämme), um das weiche Wachs vom Deck abzuschaben. Arbeite in langen Strichen von der Nose zum Tail.
- Wische die Rückstände ab mit einem Tuch und etwas Wachsentferner, Waschbenzin oder Kokosöl.
- Trockne die Oberfläche vollständig ab, bevor du einen frischen Base Coat aufträgst.
Das komplette Abziehen und Neuwachsen dauert etwa 15 Minuten und sollte alle vier bis sechs Wochen gemacht werden, wenn du regelmäßig surfst — oder häufiger in tropischen Bedingungen, wo Wachs schneller abgebaut wird.
Die Sonnenschmelz-Methode
An warmen, sonnigen Tagen macht die Sonnenschmelz-Methode das Wachsentfernen fast mühelos. Lege dein Board mit dem Deck nach oben 15 bis 20 Minuten in die direkte Sonne, damit das Wachs weich und geschmeidig wird. Bei kühlerem Wetter oder bewölktem Himmel brauchst du möglicherweise etwas länger. Achte darauf, dein Board nicht zu lange draußen zu lassen — zu viel Hitze kann den Schaumkern beschädigen.
Sobald das Wachs weich ist, nimm die flache Kante deines Wachskamms und schabe in langen, geraden Zügen von der Nose zum Tail. Vermeide diagonale Bewegungen, die das Wachs eher verteilen, statt es abzulösen. Reinige den Kamm zwischendurch mit einem Papiertuch, damit er effektiv bleibt.
Gründliche Reinigung nach dem Abziehen
Das Gros des Wachses abzuschaben ist nur der erste Schritt. Eine gründliche Reinigung sorgt dafür, dass die neue Schicht richtig haftet und optimal funktioniert:
- Beginne mit der geraden Kante des Wachskamms, um den weichen Großteil zu entfernen
- Wechsle zu den Zähnen des Kamms, um verbleibende Reste aufzubrechen
- Nutze einen Plastikschaber oder eine alte Kreditkarte für hartnäckige Stellen
- Trage etwas Kokosöl, Wachsentferner oder Waschbenzin auf, um den verbliebenen Film aufzulösen
- Wische gründlich mit Papiertüchern oder einem sauberen Tuch nach
- Wiederhole den Reinigungsschritt, falls noch klebrige Stellen übrig sind
Ein richtig gereinigtes Board sollte sich komplett glatt anfühlen, ohne klebrige Rückstände irgendwo auf dem Deck.
Spezialfälle
Longboards: Die größere Deckfläche bedeutet mehr Zeit und Aufwand. Teile die Arbeit in Abschnitte auf — Nose, Mitte, Tail — und arbeite jeden methodisch durch, anstatt das ganze Board auf einmal anzugehen.
Kaltes Wetter: Wenn die Temperaturen unter 15 °C (60 °F) fallen und die Sonne nicht stark genug ist, um das Wachs aufzuweichen, nimm stattdessen einen Föhn auf niedriger Stufe. Halte den Föhn ständig in Bewegung, um einzelne Stellen des Boards nicht zu überhitzen.
Vintage- oder empfindliche Boards: Vermeide Metallschaber bei älteren Boards mit empfindlichen Oberflächen. Bleibe bei Plastikwerkzeugen und schonenden Reinigungsmitteln wie Kokosöl, um Beschädigungen der Oberfläche zu vermeiden.
Häufiger Wechsel (Wettbewerbe oder Reisen): Wenn du regelmäßig neu wachst — für Wettbewerbe oder beim Reisen zwischen verschiedenen Wassertemperaturen — entwickle eine schnelle, aber gründliche Routine mit gutem Werkzeug. Ein eigenes Wachs-Entfernungskit spart Zeit.
Typische Fehler beim Wachsentfernen
- Den Prozess überstürzen — gründliches Entfernen braucht Zeit, und Abkürzungen hinterlassen Rückstände, die dein neues Wachs beeinträchtigen
- Metallschaber auf Boards mit empfindlichen Oberflächen oder dünnem Glassing verwenden
- Das Board zu lange in der Sonne lassen — das Ziel ist, das Wachs aufzuweichen, nicht den Schaum zu garen
- In zufälligen Richtungen schaben statt in gleichmäßigen Nose-to-Tail-Zügen
- Den Reinigungsschritt überspringen — verbleibende Wachsreste verhindern, dass der neue Base Coat richtig haftet
Umweltgerechte Entsorgung
Altes Wachs sollte nicht am Strand liegen gelassen oder in den normalen Restmüll geworfen werden, wo es im Meer landen kann. Viele Surfshops sammeln gebrauchtes Wachs zum Recycling und verarbeiten es zu neuen Produkten oder verwerten das Paraffin weiter. Greife wenn möglich zu biologisch abbaubaren Reinigungsmitteln und ziehe umweltfreundliche Wachsmarken mit natürlichen Inhaltsstoffen in Betracht. Die Pflege unserer Ausrüstung und der Umwelt gehören zusammen.
Alternativen zum Surfwachs
Traction Pads
Viele Surfer nutzen ein Traction Pad (Tail Pad) auf dem hinteren Bereich ihres Boards, wo der hintere Fuß steht. Traction Pads bestehen aus EVA-Schaumstoff mit strukturierter Oberfläche und bieten dauerhaften Grip ohne Wachs in diesem Bereich. Außerdem haben sie einen erhöhten Kick Tail, der dir hilft, die Position deines hinteren Fußes rein nach Gefühl zu finden.
Die meisten Shortboards und viele Mid-Lengths haben ein Traction Pad am Tail. Auf dem Rest des Decks brauchst du trotzdem Wachs — im Brustbereich und in der Zone für den vorderen Fuß.
Deck-Grip-Spray
Einige Hersteller bieten aufsprühbare Deck-Grip-Alternativen an. Diese erzeugen eine strukturierte Oberfläche ohne Wachsaufbau. Sie sind weniger verbreitet als klassisches Wachs und Traction Pads, und die Meinungen über ihre Wirksamkeit gehen auseinander.
Soft-Top Boards
Die meisten Soft-Top Schaumstoffboards — also genau der Board-Typ, der für Anfänger empfohlen wird — haben ein strukturiertes Deck, das auch ganz ohne Wachs Grip bietet. Das ist einer der vielen Vorteile, wenn du auf einem Schaumstoffboard anfängst.
Wachs und Boardpflege als Teil deiner Surfroutine
Ein gut gepflegtes Board performt besser, hält länger und ist eine Sorge weniger, wenn du dich aufs Surfen konzentrieren solltest. Mach das Wachsen zu deiner Routine:
- Vor jeder Session: Wachs aufkämmen und bei Bedarf eine dünne Schicht Top Coat nachlegen
- Nach jeder Session: Board mit Süßwasser abspülen und im Schatten lagern
- Alle vier bis sechs Wochen: Altes Wachs komplett abziehen und frischen Base Coat sowie Top Coat auftragen
- Vor dem Reisen: Wachs komplett entfernen und mit dem richtigen Temperaturwachs für dein Reiseziel neu wachsen
Den kompletten Leitfaden zur Ausrüstung, die du neben dem Board brauchst, findest du in unserem Surf-Equipment-Guide. Und wenn du Hilfe bei der Wahl des richtigen Boards brauchst, das du dann wachsen kannst, starte mit Surfboards für Anfänger oder Surfboard-Typen erklärt.